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Bipolare Störung (F31) für die HPP-Prüfung: Manie, Hypomanie & Differenzialdiagnose




Ein Fallbeispiel in der Prüfung: Eine 34-jährige Frau schläft seit einer Woche kaum noch, fühlt sich „so gut wie nie“, hat drei neue Firmen gegründet, ihr Konto überzogen und redet so schnell, dass man ihr kaum folgen kann. Vor einem Jahr war sie monatelang depressiv. Woran denkst du? Wenn dir jetzt sofort „bipolare affektive Störung“ einfällt, bist du auf dem richtigen Weg. Doch in der Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie reicht das Stichwort allein nicht. Du musst begründen können, warum es eine Manie ist, wie du sie von einer Hypomanie unterscheidest, welche Differenzialdiagnosen du prüfst und was das für dein Handeln bedeutet.

In diesem Artikel gehen wir die bipolare Störung (ICD-10: F31) Schritt für Schritt prüfungsnah durch – mit Merksätzen, typischen Fallen und Übungsfragen.

Was ist eine bipolare affektive Störung?

Bei der bipolaren Störung wechseln sich Phasen mit krankhaft gehobener oder gereizter Stimmung und gesteigertem Antrieb (Manie oder Hypomanie) mit depressiven Episoden ab. Dazwischen liegen häufig Zeiten, in denen die Betroffenen weitgehend beschwerdefrei sind.

Die ICD-10 beschreibt die bipolare affektive Störung (F31) als wiederholte, also mindestens zwei Episoden, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau deutlich gestört sind. Wichtig für die Prüfung:

  • Eine einzelne manische Episode wird unter F30 verschlüsselt.
  • Menschen mit ausschließlich wiederholten manischen Episoden werden nach ICD-10 ebenfalls der bipolaren Störung (F31) zugeordnet – denn die Erfahrung zeigt, dass im Verlauf meist auch depressive Phasen auftreten.
  • Wiederholte depressive Episoden ohne manische oder hypomane Phase sind dagegen eine rezidivierende depressive Störung (F33).

In der ICD-11 findest du die Störung im Kapitel der affektiven Störungen als Bipolar-I-Störung (6A60), Bipolar-II-Störung (6A61) und Zyklothymie (6A62). Bipolar I setzt mindestens eine manische oder gemischte Episode voraus; Bipolar II mindestens eine hypomane und eine depressive Episode, aber nie eine Manie.

Manie und Hypomanie: die Symptome, die du sicher erkennen musst

Die Manie ist das Gegenstück zur Depression. Typische Symptome kannst du dir gut in drei Bereichen merken:

  1. Stimmung: gehoben, euphorisch, „ansteckend“ heiter – oder auffallend gereizt und streitlustig, sobald jemand bremst.
  2. Antrieb und Verhalten: Antriebssteigerung, Rastlosigkeit, deutlich vermindertes Schlafbedürfnis (ohne Müdigkeit!), Distanzlosigkeit, unüberlegte Geldausgaben, riskante Unternehmungen, sexuelle Enthemmung.
  3. Denken und Sprechen: Rededrang, beschleunigtes Denken bis zur Ideenflucht, erhöhte Ablenkbarkeit, Selbstüberschätzung bis hin zu Größenideen.

Ein Kernmerkmal, das in Fallbeispielen gern versteckt wird: Die Betroffenen haben in der Manie meist keine Krankheitseinsicht. Sie fühlen sich gesund, leistungsfähig und missverstanden.

Die Unterscheidung nach ICD-10:

  • Hypomanie (F30.0): leichtere Ausprägung, über mindestens einige Tage anhaltend. Die Lebensführung ist beeinträchtigt, aber nicht völlig unterbrochen. Keine psychotischen Symptome.
  • Manie ohne psychotische Symptome (F30.1): mindestens etwa eine Woche, so ausgeprägt, dass Beruf und soziale Aktivitäten erheblich oder vollständig gestört sind.
  • Manie mit psychotischen Symptomen (F30.2): zusätzlich Wahn (häufig Größenwahn) oder Halluzinationen; die Stimmung passt dabei meist zum Wahninhalt.

Merksatz: Hypomanie stört den Alltag, Manie sprengt ihn.

Verlaufsformen, Zyklothymia und gemischte Episoden

Auch diese Begriffe tauchen in schriftlichen und mündlichen Prüfungen immer wieder auf:

  • Gemischte Episode: manische und depressive Symptome treten gleichzeitig oder in raschem Wechsel auf, etwa innere Getriebenheit mit tiefer Verzweiflung. Diese Zustände gelten als besonders belastend und gefährlich.
  • Rapid Cycling: mindestens vier Krankheitsepisoden innerhalb eines Jahres.
  • Zyklothymia (F34.0): anhaltende Instabilität der Stimmung mit zahlreichen Perioden leichter Depression und leicht gehobener Stimmung, die aber nicht die Kriterien einer depressiven oder hypomanen Episode erfüllen. Sie gehört in der ICD-10 zu den anhaltenden affektiven Störungen.

Zur Epidemiologie solltest du grob wissen: Die bipolare Störung beginnt häufig im jungen Erwachsenenalter, Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen, und es gibt eine deutliche genetische Komponente.

Differenzialdiagnose: Diese Abgrenzungen werden gern geprüft

Gerade bei Fallbeispielen entscheidet die Differenzialdiagnose über richtig oder falsch. Prüfe bei manischen Bildern immer:

  • Substanzinduzierte Zustände: Kokain, Amphetamine und andere Stimulanzien können manieähnliche Bilder auslösen (F1x). Frage im Fall immer nach Konsum.
  • Organische Ursachen (F06/F07): etwa Schilddrüsenüberfunktion, Erkrankungen oder Verletzungen des Frontalhirns, bestimmte Medikamente wie Kortison. Neu auftretende manische Symptome im höheren Alter sind immer ein Hinweis, organisch abklären zu lassen.
  • Schizophrenie (F20) und schizoaffektive Störung (F25): Bei der Manie mit psychotischen Symptomen sind Wahn und Halluzinationen meist stimmungskongruent. Treten schizophrene und affektive Symptome gleichzeitig und gleich stark in derselben Episode auf, denk an F25.
  • Rezidivierende depressive Störung (F33): Eine „unipolare“ Depression kann sich später als bipolar herausstellen. Frage deshalb gezielt nach früheren Phasen mit wenig Schlaf und viel Energie.
  • Emotional instabile Persönlichkeitsstörung (F60.3) und ADHS: Stimmungsschwankungen bzw. Unruhe sind hier eher kurz und anhaltend, nicht phasenhaft über Tage bis Wochen.

Gefährdung, Grenzen und dein Handeln als HPP

Für die Überprüfung ist nicht nur Wissen über das Störungsbild wichtig, sondern auch, ob du die Grenzen deiner späteren Tätigkeit kennst. Die Prüfung soll ja feststellen, dass von dir keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung ausgeht.

  • Suizidalität: Das Suizidrisiko ist bei bipolaren Störungen deutlich erhöht, vor allem in depressiven und gemischten Episoden. Frage aktiv und offen danach.
  • Selbstgefährdung in der Manie: Verschuldung, Jobverlust, zerstörte Beziehungen, riskantes Verhalten im Straßenverkehr.
  • Ärztliche Behandlung: Akute Manien und schwere Depressionen gehören in fachärztliche bzw. psychiatrische Behandlung. Zur medikamentösen Phasenprophylaxe werden unter anderem Lithium und andere Stimmungsstabilisierer eingesetzt – verordnen darfst du als HPP keine Medikamente, und du rätst auch niemals zum eigenmächtigen Absetzen.
  • Unterbringung: Bei akuter erheblicher Eigen- oder Fremdgefährdung kann eine Unterbringung nach dem jeweiligen Landesgesetz (PsychKG bzw. Unterbringungsgesetz) notwendig werden.

Begleitende psychotherapeutische Arbeit, etwa Psychoedukation, Frühwarnzeichen erkennen, Tagesstruktur und ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus, kann in stabilen Phasen und in Absprache mit dem behandelnden Arzt sehr wertvoll sein.

Übungsfragen mit Lösung

  1. Ein Patient hatte bisher nur eine einzige manische Episode. Wie lautet die ICD-10-Diagnose? Lösung: Manische Episode (F30), noch keine bipolare Störung (F31).
  2. Welches Symptom spricht eher für eine Manie als für eine Hypomanie? a) vermindertes Schlafbedürfnis, b) Größenwahn, c) gesteigerte Gesprächigkeit. Lösung: b) – psychotische Symptome wie Größenwahn schließen eine Hypomanie aus.
  3. Was gehört bei einem 68-jährigen Mann mit erstmals manischem Verhalten unbedingt zum weiteren Vorgehen? Lösung: Ärztliche, insbesondere organische Abklärung (z. B. neurologische Ursachen, Medikamente, Schilddrüse).
  4. Wie unterscheidet sich Bipolar II von Bipolar I? Lösung: Bei Bipolar II treten hypomane und depressive Episoden auf, aber nie eine voll ausgeprägte Manie.

So lernst du Störungsbilder wie F31 nachhaltig

Die bipolare Störung zeigt gut, wie die Prüfung denkt: Es geht weniger um das Auswendiglernen einzelner Codes als darum, Symptome zu erkennen, Zeitkriterien zu beachten, Differenzialdiagnosen mitzudenken und daraus das richtige Handeln abzuleiten. Genau so ist unser Kurs Heilpraktiker für Psychotherapie – Prüfungsvorbereitung Schritt für Schritt aufgebaut.

  • Verständliche Theorie zu Psychopathologie und Störungsbildern wie Depression, Angst, Zwang, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen und Sucht
  • Praxisnahe Fallbeispiele, an denen du diagnostisches Denken trainierst
  • Krisen und Notfälle: Suizidalität, Eigen- und Fremdgefährdung
  • Rechtliche Grundlagen und die Grenzen deiner Tätigkeit
  • Quizfragen, Merksätze und der HPP-Lernfuchs zum Wiederholen und Festigen

Alle Inhalte stehen dir sofort zur Verfügung, und du lernst in deinem eigenen Tempo – ideal, um bis zum nächsten Prüfungstermin strukturiert dranzubleiben. Hier findest du alle Infos zum HPP-Kurs.

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Wichtiger Hinweis: Der Kurs dient der Vorbereitung auf die amtsärztliche Überprüfung zum Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Er ersetzt nicht die behördliche Überprüfung und stellt keine Heilpraktikererlaubnis dar. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.

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von Jafeth Mariani

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